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September 2018

Selfie. Ortler, Südtirol | Pauli Trenkwalder, Berge & Psychologie

Der Berg als Couch. All Mountains 2018

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Beitrag erschienen in All Mountain N°8, 2018

Wie wirken die Berge auf den Menschen? Und kann uns die Natur helfen, uns weiterzuentwickeln? PAULI TRENKWALDER (43) ist Bergführer und Psychologe. Er meint: „Die Berge sind eine tolle Couch!“

Text: Christian Penning

Seit Menschengedenken sind Berge etwas Besonderes. Manche sind sogar heilig. „Die Berge geben mir Energie“, sagt Pauli Trenkwalder, als er vor seinem Haus in Gossensaß südlich des Brenners steht und auf die Gipfel ringsum blickt. Sie sind ihm vertraut. Ein Stück Heimat. Und sie sind für ihn Arbeitsplatz. Als Bergführer. Und als Psychologe. Statt sie auf die Couch zu setzten, geht er mit seinen Klienten auf Tour. Die Berge als Heilmittel, als Kraftorte für Kopf, Seele und Geist?

 „Da begibt man sich schnell auf den Pfad der Esoterik“, überlegt Pauli und fährt sich durch die wuscheligen Locken. Sein Blick auf die Berge ist eher pragmatisch. „Sie sind zunächst einmal Landschaft, ganz einfach. Sie sind keine Methode. Doch diese Landschaft wirkt auf uns Menschen. Man fühlt sich ausgesetzt, klein. Für manchen ist diese Exponiertheit den Naturgewalten gegenüber kaum auszuhalten, bisweilen gar beängstigend. Deshalb kommt es auf die individuell passende Dosis an. Die kann sehr unterschiedlich sein. Für den einen ist es eine entspannte Wanderung, für den anderen eine technisch, körperlich und geistig anspruchsvolle Kletterei in der Vertikalen. Doch allen gemeinsam ist: Nach gelungenen Unternehmungen fühlt man sich wohl. Natur tut gut.

Das mache ich mir zunutze, wenn ich Menschen als Psychologe berate. Bei Beziehungsproblemen, in Angstsituationen, bei schwierigen Situationen im Job oder wenn sie das Gefühl haben, im Leben neue Weichen stellen zu müssen. Wer zu mir kommt, ist in der Regel mit den Bergen vertraut. Südtirol bietet da ein ideales Umfeld. Die wilden Dolomitenmassive. Die sanften Almlandschaften. Das gute Essen, der Wein. Da ist es einfacher, sich zu öffnen. Und die Schwelle, mit einem psychologischen Berater durch die Berge zu streifen, ist niedriger, als in die Praxis eines Psychologen zu gehen. Dort, in einem abgeschlossenen Raum, können die Blicke nicht schweifen. Draußen dagegen fällt es leichter, Dinge auch mal sacken zu lassen, zu reflektieren. Gedanken weiterzuspinnen, ohne gleich eine Antwort parat haben zu müssen. Die Aufmerksamkeit ist hoch. Das erleichtert mir die Arbeit. Ich stoße Dinge an, lasse sie sich entwickeln. Einen direkten therapeutischen Nutzen der Berge sehe ich nicht unbedingt. Aber sie sind ein guter und effektiver Rahmen.

Meine Aufgaben als Bergführer und Psychologe trenne ich klar. Man muss kein Psychologe sein, um Bergführer zu werden. Aber in manchen Situationen hilft entsprechendes Wissen. Ich leite auch Seminare in der Bergführerausbildung. Einfühlungsvermögen, das Verständnis, warum sich Gäste wie verhalten und eine psychologische Analyse des Gruppenverhaltens sind wichtige Teile des Führens. Als Bergführer musst du voll und ganz den Menschen zugewandt sein. Genau wie als Psychologe. Es geht nicht um meine Ziele. Es geht darum, dass die Augen des anderen leuchten. Das kann anstrengender sein als eine Kletterei im Felsen. Deswegen ist es auch für mich wichtig, immer wieder zur Ruhe zu kommen, Energie zu sammeln, mich einzuordnen. Die Berge sind ein idealer Platz dafür – sei es bei anspruchsvollen Klettertouren mit Freunden oder gemütlich mit der Familie.“

| Pauli Trenkwalder, Berge & Psychologie

Bildet Klettern die Persönlichkeit? Climax 2018

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Beitrag erschienen in Climax 2018

Persönlichkeitsbildung und Klettern – oder die Rolle der Psyche beim Klettern

Autoren: Pauli Trenkwalder, Psychologe & Bergführer &
Martin Schwiersch, Psychologe; Psychotherapeut & Bergführer

Sind wir mal ehrlich, wenn wir unseren kletternden Freunden zuschauen, da gibt es eine Vielzahl von Unterschieden, wie sie sich an einem Stück Fels versuchen. Der eine bewegt sich sehr kontrolliert, präzise, chamäleonähnlich langsam eine mehr oder weniger steile Wand nach oben und natürlich wurde vorher noch das Leibchen akkurat, ordentlich gefaltet und bedacht auf dem Stein neben den Rucksack gelegt. Wieder ein anderer kletternder Mensch hat ein unüberschaubares Chaos im Haulbag, am Standplatz und am Gurt sowieso, wo willkürlich unsortiert Friends, Expressschlingen und sonstiges Zeugs durch die Gegend baumelt. Da kann es doch auch so sein, dass das Klettern und wie es praktiziert wird Ausdruck der Persönlichkeit ist. Freilich alles kein Problem, denn jedem seine Neurose!

Trotzdem wollen wir mal hinschauen, ob es Persönlichkeitsfaktoren gibt, die wir mit Zahlen belegen können. 2004 waren wir Mitverfasser einer Studie der Sicherheitsforschung des DAV, bei der 278 Kletterinnen und Kletterer in der Halle beobachtet und befragt wurden. Unter anderem verwendeten wir einen psychometrischen Fragebogen, das Hamburger Persönlichkeitsinventar HPI. Damit kann man bei Menschen folgendes messen:

– emotionale Labilität bzw. Neurotizismus
– Extraversion bzw. Introversion
– Offenheit für neue Erfahrungen
– Kontrolliertheit, Normgebundenheit
– Altruismus
– Risikobereitschaft

Ziel war es zu prüfen, ob die Teilnehmer sich in ihren Persönlichkeitsmerkmalen und dabei vor allem in dem der Risikobereitschaft von der Allgemeinbevölkerung unterscheiden. Die Antwort lautet: „A bisserl, ober nit wirklich“; sprich: ja zum Teil, aber nicht in relevanten Ausmaß. Kletterer sind weniger emotional labil, weniger erfahrungsoffen, weniger kontrolliert und normgebunden, sowie risikobereiter als die Normalbevölkerung – die Gemeinsamkeiten überwiegen die Unterschiede! Kletterer sind weder „gesünder“ noch die „besseren“ Menschen, sondern Menschen wie Du und ich!

Solche ähnlichen Untersuchungen gibt es beim Bergsteigen mehrfach. Unabhängig von den Ergebnissen haben sie sicherlich eines gemeinsam: Als Einpunktstudien können sie keine kausalen Einflüsse prüfen, ob Klettern oder Bergsteigen einen Zusammenhang mit persönlichkeitsbildenden Faktoren hat. Dieses methodische Problem soll uns nicht beunruhigen, da wir ja eh glauben, zu wissen, dass Klettern einen Einfluss auf unsere Person und Psyche hat. Wenn ein Mensch von einer Sache begeistert ist, dann kann er gar nicht umhin, davon auszugehen, dass diese Sache eine „Gute“ ist. Ein leidenschaftlicher Kletterer wird dem zustimmen, alleine schon deshalb, da er ja einen Teil seines Lebens dem Klettern widmet und es damit einen Teil seiner Identität ausmacht!

Das Klettern hat mein Leben bereichert wie keine andere Erfahrung. Klettern und Alpinismus sind eine wunderbare Schule für’s Leben, ein Weg mit Herz und Seele. (Heinz Mariacher; www.heinzmariacher.com )

 

Klettern stiftet Identität.

Ein junger Mensch hat noch keine klare Vorstellung davon, wer er ist, was er kann und was er will. Und damit befindet er sich in einer grundlegenden Unsicherheit und Instabilität. Wenn ein Mensch von sich sagen kann: „Ich bin ein guter Kletterer, ich bin schon 7a geklettert, in Arco kenne ich mich ganz gut aus. Weiß, dass es das beste Eis beim Marco gibt und eigenständig in der Seilschaft gehen kann ich auch“ – dann hat er zumindest zu einer minimalen Sicherheit gefunden: Identität gibt Halt. Alle Eigentätigkeiten, die Kompetenzerwerb beinhalten, über einen längeren Zeitraum ausgeübt werden und in einem sozialen Kontext ausgeübt werden, stiften Identität. Der Beziehungskontext ist wichtig, denn der Kletterer / die Kletterin muss sich zeigen und jemand muss ihn oder sie als Kletterer/in wahrnehmen und wertschätzen. Anerkennung auf der einen und Stolz auf der anderen Seite stiften Identität.

Auch Ron Kauk war einmal ein junger Mensch, der auf seiner „Suche“ im Yosemite landete und die Wirkung des Kletterns auf ihn selbst so beschreibt:

I came here as a sophomore in high school and never went back home. This place, Yosemite, was my education. If You let it, it can imprint a value system on You. Passing a bottle of water to Your partner a thousand feet off the ground, You make sure he‘s got a good grip on it..

National Geographic, Mai 2011, S. 115-116

Wir lernen also beim Klettern – neben anderem – für andere Sorge zu tragen, eine Personfähigkeit, die man eindeutig als positiv einstufen wird.

 

Charakterbildung – Persönlichkeitsbildung.

Wenn man in die Runde fragt, wodurch Klettern zur Persönlichkeitsbildung beitragen könne, erhält man in der Regel Antworten wie: Man muss beim Klettern lernen, Risiken zu managen, man hat Verantwortung für sich und andere, muss seine Ängste überwinden, Leistung bringen, sich mit den eigenen Grenzen auseinandersetzen.

Auch Michael de Rachewiltz, ein junger Philosoph, der selbst kleine Griffe halten kann, glaubt, das beim Klettern Charaktereigenschaften gebildet werden (wie er bei einer Wanderung erzählt).

Ob diese dann in der jeweiligen Gesellschaft gerade gefragt sind, bzw. als "gute" oder "schlechte" Charaktereigenschaften oder als universale Charaktereigenschaften gesehen werden, ist eine andere Frage.

Unabhängig von der Frage, inwieweit Charakter überhaupt gebildet werden kann, betonen die Philosophen (Climbing – Philosophy for everyone; Stephen E. Schmid et al.), dass, wenn er gebildet werden kann, dann nur durch Praxis und „Gewöhnung“: Man wird nicht mutig, indem man über Mut in Büchern lernt, sondern indem man „mutige“ Taten vollbringt und damit „Mutig sein können“ ein Teil von einem selbst wird. Dies betont auch die Wagnisforschung, denn Sicherheitsstandards werden nur durch das Eingehen von Wagnissen entwickelt (Cube, F. 1995). Es geht um die richtige Mitte, die Balance zwischen den Extremen: ein 5a Kletterer der sich free solo an eine 8a wagt, ist nicht mutig sondern handelt töricht. Umgekehrt ist ein 8a Kletterer nicht mutig, weil er eine 5a free solo begeht – während dies für den geübten 5a Kletterer sehr wohl der Fall wäre. Die Autoren von Climbing – Philosophy for everyone gehen sogar so weit, zu fordern: „Charakterbildung gehört sicherlich zu den Gründen, warum Menschen klettern SOLLTEN“.

Die Auseinandersetzung mit der Wand ist im Grunde genommen eine Auseinandersetzung mit sich selbst, mit den eigenen Grenzen, Zweifeln und Ängsten auf der einen Seite, und mit den eigenen Tugenden, wie Mut, Entschlossenheit und unbeugsamer Absicht auf der anderen. Sieger über die eigenen Schwächen zu sein ist das Erstrebenswerteste, das man sich vorstellen kann.

Heinz Mariacher; www.heinzmariacher.com

Natürlich ist Persönlichkeitsbildung nun so ein Schlagwort! Das aus unserer Sicht bessere Konzept wäre „Selbstwirksamkeitsförderung“. Denn die Persönlichkeit im Sinne des Charakters wird durch das Klettern nicht wirklich geprägt, vielmehr prägt der Charakter umgekehrt das, was jemand aus dem Klettern herauszieht und wie er es praktiziert. Und über die Jahre interagieren dann Klettererfahrung und allgemeine Erfahrungen so, dass dann ein Lebenskletterer wie z. B. der oben zitierte Heinz Mariacher rauskommt. Aber der wäre, wäre er nicht in Innsbruck, sondern in Hawaii aufgewachsen, wahrscheinlich Surfer geworden und würde heute die Identitätsbildung durch Surfen beschreiben, statt Klettern.

Die Überzeugung: „Ich bin in der Lage, mir wichtige Dinge durch mein Eigenhandeln auch gegen Widerstände zu erreichen“ wird Selbstwirksamkeitsüberzeugung genannt. Ein Mensch muss die Erfahrung machen, dass eigene Handlungen zu gewünschten Ergebnissen führen. Selbstwirksamkeit wird ausschließlich in konkreten Situationen und mit konkreten Menschen gewonnen. Sie gilt als wichtige Facette psychischer Gesundheit.

Diese Selbstwirksamkeit erleben Kletterer (Innen), wenn sie in die Berge, an den Fels und in die Wildnis ziehen, um dort ihrer Leidenschaft nach zu gehen. Das Kreieren künstlicher Herausforderungen, wie eine Dolomitenwand frei zu klettern, ist nur deshalb möglich, weil man sich in bestimmten Gruppen auf bestimmte Regeln geeinigt hat und unterschiedliche Kletterspiele erfordern unterschiedliche Charaktereigenschaften. Doug Robinson nennt das Phänomen, dass wir versuchen Ziele schwieriger zu machen, indem wir Technologie reduzieren „technologische Inversion“. Laut ihm sind Mut, Bescheidenheit und Ehrfurcht vor der Natur die hauptsächlichen Charaktereigenschaften die Klettern bildet bzw. stärkt.

 

Verkörperung – Embodiment

Eine typische Erfahrung beim Klettern ist das Festhalten als Voraussetzung für das Hochkommen. Für‘s Weiterkommen muss man loslassen; und zwar den Griff den man hält! Dabei wird die Gefahr des Absturzes als ständiger Zug der Schwerkraft erlebt.

 Die meisten von uns haben sich schon mal, kurz vor dem Einstieg einer Route, die Griffabfolge der Schlüsselstelle, vielleicht auch der ganzen Tour vorgestellt. Arme, Hände und Finger so bewegt und gleichzeitig mental vorgestellt, die Bewegungen korrekt auszuführen. Einerseits ist dies ein innerer Fahrplan, um Bewegungsabläufe durchzuführen, andererseits kann man einen Einfluss des Körpers bzw. von Bewegungen auf die Wahrnehmungen annehmen. So konnten Repp und Knoblich (2007) zeigen, dass die Wahrnehmung von mehrdeutigen Tonfolgen besser gelingt, wenn der Zuhörer seine Finger bewegt; d. h. er simuliert Tasten zu drücken, die eine auf- bzw. absteigende Tonfolge ergeben würde. Beim Klettern sind es keine Tasten, sondern Griffe und Tritte, die wir mit unterschiedlichem Druck und aus unterschiedlichen Winkeln belasten.

Eine Reihe von Studien konnte zeigen, dass die Wahrnehmung stark durch die eigene physiologischen Voraussetzungen beeinflusst wird. So wird z. B. das Gefälle eines Berges steiler eingeschätzt, wenn Versuchspersonen einen schweren Rucksack tragen, als wenn sie keine zusätzliche Last am Rücken mitführen (Proffitt, 2006). Auch die Wahrnehmung der Höhe einer Stufe („Wie hoch muss ich steigen?“) oder der Breite eine Tür („Passe ich durch die Tür?“) hängt von der Wahrnehmung des eigenen Körpers und damit den eigenen physiologischen Voraussetzungen ab (Warren, 1984; Warren & Whang, 1987).

Die Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche beschreibt die Klinische Psychologie mit dem Begriff Embodiment. Einerseits drücken sich psychische Zustände im Körper aus, andererseits können Körperzustände psychische Zustände beeinflussen; d. h. eine bestimmte Körperhaltung wirkt sich auf Kognition und Emotion aus. Wer kennt nicht die Rechtfertigungen, Ausreden und

Erklärungen, wieso man die Tour oder Kletterstelle heute wieder mal nicht geschafft hat! Dann

stand man unten am Einstieg, wahrscheinlich war man eingeknickt; die Schulter und Kopf nach unten hängend usw. Dieses, wohl allen bekannte Erlebnis beschreibt Charly Brown am reflektiertesten:

| Pauli Trenkwalder, Berge & Psychologie

Berge als Anti-Depressivum? Alpenvereinsjahrbuch 2018

By Interview
Interview erschienen in Alpenvereinsjahrbuch 2018

Welche Rolle spielen Berg- und Outdoorsport für die Gesundheit und bei psychischen Erkrankungen? Ein Ausblick auf Prophylaxe und Therapie

Beitrag von Franziska Horn

Wir haben es geahnt: Bergsport ist gesund. Doch was heißt das wirklich? Wie wirken Wandern und Klettern auf Körper und Geist? Und: Hilft Outdoorsport auch bei psychischen Erkrankungen? Auf dem Fachsymposium „Bergsport & Gesundheit“ präsentierte der Österreichische Alpenverein im November 2016 Ergebnisse seines dreijährigen Arbeitsschwerpunkts in Kooperation mit Wissenschaftlern der beteiligten Disziplinen.

Psychische Erkrankungen nehmen zu

In seinem Vortrag “Bergwandern und psychische Erkrankung: ein Therapieansatz?“ verweist Reinhold Fartacek, Facharzt für Psychiatrie und Neuro­logie, auf den derzeitigen Ist-Stand der Gesell­schaft.  Für Fartacek bildet die bestehende Leis­tungsgesellschaft – mit hohen Ansprüchen an sich und andere, quer durch alle Lebensbereiche – den Rahmen oder sogar Nährboden für eine mög­liche psychische Überlastung. Damit steigt die Gefahr, psychisch zu erkranken, z. B. am Burnout- Syndrom oder an Depressionen. Laut Messungen der World Health Organisation (WHO) sind unipolare Depressionen zwischen 2008 und 2011 im Vergleich zu anderen körperlichen Erkrankungen überproportional angestiegen. Tatsache ist: Fast jeder wird einmal im Leben mit einer psychischen Krankheit konfrontiert, sei es in Form einer Essstörung, Sucht, eines Burnout-Syndroms oder ei­ner Lebenskrise. Depressionen gelten dabei als Volkskrankheit, unter der 4 Millionen Deutsche leiden. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sind schätzungsweise 350 Millionen Menschen weltweit von Depression betroffen. Laut Sozialversicherungsstudie werden jährlich 11 Prozent der Österreicher (900.000) wegen psychischen Erkrankungen behandelt, dabei sind die Ausfälle wegen Burnout oder Überlastungsdepression am höchsten. Laut Suicide data der WHO aus dem Jahr 2015 sterben jedes Jahr bis zu 800.000 Menschen durch Selbstmord, die Zahl versuchter Suizide vermutet man weitaus höher.

Wie wirkt Bergsport?

Um die Wirkung von Outdoorsport zu überprüfen, untersuchte Fartacek im Rahmen seiner Tätigkeit als Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Salzburg die Auswirkungen des Wanderns auf eine Gruppe suizidgefährdeter Patienten. Im Rahmen einer klinischen Wanderstudie unternahmen diese während einer neunwöchigen Interventionsphase wöchentlich drei Wanderungen von je zwei Stunden Dauer mit 300 bis 500 Höhenmetern. Im Fokus der Studie stand dabei das Ausdauertraining bei einfacher Aktivität und mit gut steuerbarer Intensität, Überforderung galt es zu vermeiden. Als Mehrwert kommt hier zur Aktivität noch die Naturerfahrung, die man allein oder in der sozia­len Gruppe erlebt. Das Resultat zeigte – bei weiterhin andauernder Unterstützung durch Phar­makotherapie und Psychotherapie – signifikante Verbesserungen: Das Wandern steigerte das Selbstwertgefühl ebenso wie den Faktor „erlebte Freude“ und reduzierte dabei den Grad der De­pression sowie der Ängstlichkeit bedeutend. Far­tacek stellte dabei neurobiologische Effekte fest: eine Verbesserung von Hirndurchblutung und Glukosestoffwechsel, eine Verbesserung der neu­ronalen Plastizität durch strukturelle Veränderun­gen in den Hirnarealen und eine vermehrte Aus­schüttung von Adrenalin, Noradrenalin und Do­pamin. Bergsport wirke damit ebenso effektiv wie ein Antidepressivum, merkt der Mediziner an, weise dabei aber geringere Rückfallquoten auf als Antidepressiva. Daher empfiehlt er Outdoorsport besonders, auch um dem Risiko einer Burnout-Er­krankung vorzubeugen. Die Wirkung von Berg­sport sei sogar „gleich effektiv wie eine kognitive Verhaltenstherapie bzw. eine psychotherapeuti­sche Intervention“ und wirke stimmungsaufhel­lend bei Depression. Sein Fazit? Ist eine klare Emp­fehlung, die bestehenden Angebote alpiner Verei­ne zu nutzen.

Ab ins Grüne!

Zu vergleichbaren Forschungsergebnissen kommt die Untersuchung eines Teams von Salzburger und Innsbrucker Medizinern, welche ebenfalls auf dem Fachsymposium präsentiert wurde. Dafür befragten die Wissenschaftler 1536 Bergsportler und führten eine Feldstudie mit 47 Personen durch. Im Fokus: das Leben von Menschen in der Großstadt, bei zunehmendem Stress durch „Crowding“, die unter passiver Freizeitgestaltung, negativen Essgewohnheiten und Bewegungsar­mut leiden. Dazu kommt noch das Phänomen ei­ner zunehmenden Entfremdung von der Natur, im Fachjargon „Natur-Defizit-Syndrom“ genannt. Während der Steinzeitmensch noch 30 bis 40 Kilo­meter pro Tag zurücklegte, sind es beim „Büro­menschen“ nur noch 400 bis 1600 Meter. Das Team untersuchte die Beziehung zwischen psy­chischer Gesundheit und körperlicher Aktivität in drei Szenarien: beim Bergwandern, auf dem Lauf­band oder bei sitzender Tätigkeit. Was zu erwar­ten war: Aktivität beeinflusst das Gesundheitsver­halten. Darüber hinaus erbrachte die Studie ein signifikantes Ergebnis: Schon eine einzelne Berg­wanderung von drei Stunden bringt positive Ver­änderungen der psychischen Gesundheit mit sich. Insgesamt gesehen steigt beim Bergwandern die Stimmung am meisten an, auch die Gelassenheit nimmt zu, Angst und Energielosigkeit schwinden. Die Probanden vom Laufband zeigten eine in al­len vier Punkten schwächere Ausprägung, ebenso jene Kandidaten der Kontrollsituation bei sitzen­der Tätigkeit. Bedeutet: Bergwandern bringt posi­tive unmittelbare Veränderung der psychischen Gesundheit, wobei „outdoor“ deutlich bessere Ef­fekte erzielt werden als „indoor“. Gerade bei de­pressiven Menschen wurden verstärkte stim­mungsrelevante Bewegungseffekte in der grünen Natur festgestellt, die Stress reduzieren und auch langfristig vorbeugend gegen Depressionen wir­ken. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen US-amerikanische Wissenschaftler um G. N. Bratman im „PNAS Journal“ vom Juli 2015. Danach kann schon regelmäßiges Spazierengehen von 90 Mi­nuten durch die Natur die Gefahr psychischer Er­krankungen drastisch senken. Ein Effekt, der sich interessanterweise nach 90-minütigem Gehen in der Stadt nicht einstellt.

Was ist eine Depression?

Die Frage „Was ist Gesundheit?“ beantwortete das Fachsymposium mit Abwesenheit von Krankheit. Regelmäßige körperliche Bewegung hilft beim Stressbewältigen, beim „Krafttanken“ und als präventive Maßnahme zur Erhaltung der Gesundheit – psychisch wie physisch. Dass gerade „sanftes“ Bergsteigen solch positive Effekte bewirkt, führt dazu, dass Wandern in der Prävention und Rehabi­litation und Klettern in der Physiotherapie heute sogar „verschrieben“ werden (Quelle: DAV). Doch was ist das eigentlich, eine Depression? Als Messin­strument dient hier das Beck-Depressions-Inventar (BDI) mit eigenen Fragebögen wie der Beck Skala für Hoffnungslosigkeit (BHS) oder der Beck Skala für Suizidgedanken (BSS). Typisch für Erkrankte ist ein chronisches Stimmungstief und andauernder Pessimismus, Schlafstörungen, Grübeln und schwer zu durchbrechende Gedankenkreise, Mut­losigkeit, Trauer, Hoffnungs- und Antriebslosigkeit und Angst. „Die Ursachen für Depressionen sind vielfältig. Grundsätzlich trägt jeder Mensch das Ri­siko in sich, depressiv zu werden. Doch ob jemand erkrankt oder nicht, hängt von verschiedenen Einflüssen ab: Zum Beispiel von einer erblichen Veranlagung, körperlichen Faktoren oder auch vom persönlichen Lebensumfeld“ (Quelle: daserste).

Auch Profis sind betroffen

Dass auch Bergprofis nicht vor psychischen Er­krankungen gefeit sind, weiß Extremkletterer Alex Huber. Er ist Unterstützer des Krisendienstes Psychiatrie am kbo-Isar-Amper-Klinikum Atriumhaus in München. Huber litt selbst an einer Angststö­rung und befreite sich mithilfe einer Therapie. 2009 übernahm er als Schirmherr der Angst-Hil­fe e. V. ein Pilotprojekt des Klinikums rechts der Isar. Dabei sollten kranke Menschen durch Hallen- Klettern die aufreibenden Langzeittherapien bes­ser durchstehen. „Fast die Hälfte der psychisch Er­krankten brechen eine Langzeittherapie ab“, stell­te Facharzt Werner Kissling vom Klinikum rechts der Isar fest. „Unser begleitendes Programm soll Spaß machen, denn Freude wirkt: Die Rückfallrate der […] depressiven Patienten konnten wir bei den ersten 200 Patienten um 70 Prozent senken.“ Damit ließen sich viele teure stationäre Klinikauf­enthalte sparen.

Bouldertherapie gegen Depressionen

„Gerade Klettern und Bouldern hilft, abzuschalten und das Gedankenkreisen zu stoppen“, hat Katha­rina Luttenberger beobachtet. An sich selbst – wie an ihren Probanden. Die Diplom-Psychologin ar­beitet in der Forschung am Uni-Klinikum Erlangen und untersuchte in einer eineinhalbjährigen Stu­die (www.studiekus.de) den Zusammenhang zwi­schen Klettern und Stimmung. Die Besonderheit: Während Ausdauersportarten wie Joggen oder Wandern eher auf gleichförmigen Bewegungen und sich wiederholenden motorischen Prozessen beruhen und auch im Standby-Modus oder „auf Autopilot“ funktionieren, erfordert das Klettern volle Konzentration und problemlösendes Den­ken in einem „kurzgriffigen“ Sicht- und Umfeld. Es zwingt den Akteur ins Handeln und in den Mo­ment und erlaubt kein gedankliches Abschweifen. Mit ihren Kollegen Schopper und Först verglich Luttenberger parallel zwei Gruppen, eine aktive Bouldertherapiegruppe und eine passive Warte­gruppe, die zuerst die vorhandenen Angebote des Gesundheitssystems nutzen durfte, aber nicht boulderte. „Bei der aktiven Bouldergruppe ver­besserte sich die Symptomatik danach um einen Schweregrad der Depression, gemessen am BDI“, sagt Luttenberger, die persönlich wegen des Na­turfaktors lieber am Fels als in der Halle klettert. „In der achtwöchigen Studie dürfen sich die Teilnehmer an leichten, machbaren Routen aus­probieren, es geht ganz klar aber nicht um Leis­tung. Teilgenommen haben ganz unterschiedli­che Leute bis zu einem Body-Mass-Index (BMI) bis 35. Zusätzliche positive Effekte: Beim Bouldern macht man auch aufgrund kurzer Routen schnel­le Fortschritte und es gibt einen Alltagstransfer. Derzeit ist die Studie die einzige randomisiert kontrollierte Studie zum Bouldern bei Depression, man weiß aber, dass Bewegung allgemein bei Depression hilfreich ist“, sagt Luttenberger. Wichtig war der Forscherin vor allem, dass sich die Teilneh­mer dabei „nicht über Leistung oder Schwierig­keitsgrad der Route definieren, da eben jener Leis­tungsgedanke ein auslösendes Moment für eine Depression sein kann“. Sie erklärt: „Es gibt bei manchen diese Denke: Schaffe ich es, bin ich ok. Schaffe ich es nicht, habe ich versagt. Doch das ist in Summe ein Depressionsmuster“. Ist die heutige Leistungsgesellschaft also ein Nährboden für De­pressionen, platt gefragt? Luttenberger sagt: „So einfach ist es nicht. Ein überhöhtes Leistungsden­ken kann mit auslösend für Depressionen sein, aber nicht allein. Es gilt, immer auch die persönliche Disposition und den Lebenslauf mit zu betrachten“. Um die Ergebnisse ihrer Studie auszu­differenzieren, führt sie aktuell eine Folgestudie durch, bei der sie die Teilnehmer in drei Gruppen aufteilt: eine Bouldergruppe mit Psychotherapie, eine Bouldergruppe ohne Psychotherapie und eine Gruppe mit aktivierendem Bewegungspro­gramm. Interessenten können sich auf der Studi­enhomepage informieren:www.kusstudie.de

Selbstwirksamkeit ist eine wichtige Facette psychischer Gesundheit

Der Südtiroler Pauli Trenkwalder ist Bergführer, Psychologe und Ausbilder beim DAV. Mit seinem Kollegen Jan Mersch bietet er Coachings unterwegs am Berg an. Franziska Horn hat mit ihm über den psychischen Benefit und das Suchtpotenzial des Bergsteigens gesprochen.

Als Coach verbindest du die Psychologie mit dem Bergsteigen. Dein Werdegang?
Ich stamme aus Sterzing, Jahrgang 1975, bin in den Bergen groß geworden und war in der Familie und im Freundeskreis von Bergsteigern umgeben. Irgendwann wollte ich Bergführer werden und mit Menschen arbeiten. Während der Bergführer-Ausbildung habe ich begonnen, Psychologie in Innsbruck zu studieren. Zu meinen Schwerpunkten gehörten Notfallpsychologie, mentales Training und Sozialpsychologie. Martin Schwiersch, ebenfalls Psychologe und Bergsteiger, holte mich als Diplomand zu einer Forschungsgruppe der Sicherheitsforschung des DAV. Bei den verhaltenspsychologischen Untersuchungen lag der Fokus auf dem Menschen und Gruppen und wie sie am Berg Entscheidungen treffen. Hier traf ich auf Jan Mersch. Er ist heute mein Partner von „Mensch und Berge“.

Wie bist du auf die Idee gekommen, am Berg zu coachen?
Die Idee ist zusammen mit Jan Mersch entstanden, da wir gemeinsame Seminare gaben und die Supervision des jeweils anderen übernahmen. Wir haben hier eine Nische gesehen und eine Nachfrage gedeckt. Es macht heute ein Drittel unserer Arbeit aus, neben der Arbeit im DAV-Lehrteam und dem klassischen Führen. Schwerpunkt unseres Coachings ist die psychologische Beratung, nicht die Therapie.

Wer nimmt euer Angebot wahr – eher Frauen, vermutlich?
Nein, es sind Männer wie Frauen, die Unterstützung suchen. Vom Alter her liegen die meisten zwischen 30 und gut 50 Jahren. Wie gesagt, wir arbeiten nicht therapeutisch, sondern im Bereich der Prophylaxe, der Gesundheitsförderung und der psychologischen Beratung. Auch die Gründe, warum die Menschen zu uns kommen, sind ganz unterschiedlich. Es kann um Fragen der Neuorientierung gehen, beruflich wie privat, um die Eigendiagnose Burnout, um Partnerschaft, Beruf und vor allem um Persönlichkeitsentwicklung.

Wie wirkt sich der gemeinsame Bergtag auf die Gesundheit des Menschen aus?
Jeder, der in die Berge geht, kennt das: Wer nach einem langen Tag beim Wandern, Bergsteigen oder Klettern müde zurückkommt, erlebt eine angenehme Zufriedenheit. Es tut einem einfach gut. Wer dann auch noch seine (Berg-)Ziele erreichen konnte, strahlt!

Wie läuft ein solches Berg-Coaching mit dir ab?
Ich bin Psychologe und Bergführer – eine wundervolle Kombination, um Menschen zu begleiten. Die Berge sind ein ergreifendes Ambiente, um sich geschützt zu öffnen und Veränderungen entgegenzugehen. Ich beginne mit einem Erstgespräch, um sich kennenzulernen, um Erwartungen und das Thema festzulegen. Und um festzustellen, ob man persönlich „miteinander kann“. Darauf folgen unterwegs Gespräche, Methoden und vor allem aktives Zuhören. Zurück im Tal merkt man, dass man sich äußerlich und innerlich bewegt hat – auf anstrengende, aber gute Weise! Ich betrachte die Berge nicht als Methode meiner psychologischen Coachingarbeit, sondern ich bin Bergmensch und gehe mit meinen Klienten dorthin.

Wie würdest du den Coaching-Effekt beschreiben, in deinen Worten?
Selbstwirksamkeit ist eine wichtige Facette psychischer Gesundheit und wird ausschließlich in konkreten Situationen und mit konkreten Menschen gewonnen – das heißt, ich bin in der Lage, die mir wichtigen Dinge durch mein Eigenhandeln auch gegen Widerstände zu erreichen. Psychische Gesundheit ist ein Zustand des Wohlbefindens, in dem eine Person ihre Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und etwas zur Gemeinschaft beitragen kann. Mir ist „Embodiment“ wichtig, sprich: Erfahrungen werden immer auf der kognitiven, emotionalen und körperlichen Ebene verankert und miteinander gekoppelt. Mit Blick auf die dramatische Prognose der WHO nehmen stressbedingte Erkrankungen massiv zu. Hierzu möchte ich den Neurobiologen Gerald Hüther zitieren: „Zu viele Menschen leiden an Stress, weil sie über zu geringe Kompetenzen zur Stressbewältigung verfügen.“

Wie stehst du – als hervorragender Kletterer – zur Suche oder Sucht nach Risiko?
Als Psychologe finde ich die Bergsuchtdiskussion überbewertet! Wenn ich mal davon ausgehe, dass es sie gibt, muss ich feststellen, dass man mit einer solchen Sportsucht niemand anderem schadet. Hingegen ist der Missbrauch von Alkohol, Drogen usw. immer auch dadurch gekennzeichnet, dass das soziale Umfeld stark darunter leidet – und das ist wirklich ein großes Problem in unserer Gesellschaft. Als Bergführer bin ich nicht auf der Suche nach Risiko. Hanspeter Eisendle hat eine treffende Beschreibung des Bergführerberufs: „Abenteuervermeider“. Natürlich geht es in der Bergführerei um das Erreichen von Zielen, um Erlebnisse und das gemeinsame Unterwegssein. Dies alles ist ständig geprägt durch Entscheidungsfindung und Treffen von Entscheidungen unter Unsicherheit. Für mich eine Herausforderung und ein schöner Beruf; manchmal auch gefährlich. Und zuletzt muss ich für mich als Kletterer feststellen, dass sich mein Risikoverhalten verändert und gewandelt hat – in dem Moment, als ich zum Familienvater wurde.

Der Berg als eine Art Therapie – kann das funktionieren?
Berge therapieren nicht. Sie sind einfach nur da. Edurne Pasaban beschreibt, was ihr gut tut und was aus ihrer Sicht hilfreich war. Man muss sicherlich nicht auf Achttausender steigen, um eine schwere Depression zu überwinden. Die Analogie „hoher Berg und depressive Erkrankung“ finde ich passend; beides ist erdrückend. Individuell angepasste, professionelle Hilfe in Form von Psychotherapie bis hin zur medizinischen Unterstützung ist sinnvoll. Als Gesundheitspsychologe unterstütze ich Menschen, dass es nicht so weit kommt.

Ein Hörbeitrag des Bayerischen Rundfunks hat den Aspekt „Suizid am Berg“ thematisiert. Was sagst du dazu?
In jedem Jahr leidet in der Europäischen Region der WHO jeder 15. an einer schweren Depression. Nimmt man Angstzustände und sämtliche anderen Formen von Depression hinzu, sind fast 4 von 15 Menschen betroffen. Weiters beträgt die jährliche Suizidrate in der Europäischen Region 13,9 pro 100.000 Einwohnern. So sind zum Beispiel in Südtirol ein Suizid und drei versuchte Suizide pro Woche zu verzeichnen. Suizidprävention stellt für das Gesundheitswesen eine riesige Herausforderung dar. Der Fokus „Suizid am Berg“ ist somit ein sehr kleiner Teil des traurigen Problems.

Was meinst du: Wirken Berge als ein „Antidepressivum“?
Auf einem Coaching in den winterlichen Bergen sagte mir eine Klientin: „Wenn ich draußen in den Bergen unterwegs bin, dann geht mir einfach das Herz auf!“ Berge sind für meine Klienten positiv besetzt, und genau das ist für mich hilfreich, wenn ich mit ihnen arbeite, um schwierige Themen in Angriff zu nehmen. Der Rahmen und Raum der Berge ermöglicht es meinen Klienten, die Augen schweifen zu lassen; man muss nicht ständig in direktem (Augen-)Kontakt stehen, was ich als Erleichterung und Freiheit empfinde. Wie schon erwähnt, sind Berge für mich keine Methode, keine Therapeuten und auch kein Medikament, sondern Resonanzraum und ein wundervolles Ambiente für meine Arbeit. Auf die Frage, was für jeden Einzelnen wie wirkt, ist jeder frei, sich eine Antwort zu suchen.

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